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Wird
Asien den Dollar aufgeben?
von F. William Engdahl, USA und Deutschland*
F. William
Engdahl hat in den USA Politische Wissenschaften und Wirtschaftswissenschaften
studiert.
International bekannt wurde er durch sein Buch «Mit der
Ölwaffe zur Weltmacht» (2. Auflage 2002), in dem er
die politökonomischen Hintergründe der Machtpolitik
im 20. Jahrhundert darstellt.
(vgl. die Buchrezension in Zeit-Fragen Nr. 19 vom 25. Mai)
Die globale Hegemonie der Vereinigten Staaten stützt
sich auf zwei Dinge.
Das eine ist die unbestrittene militärische Dominanz über
alle Rivalen. Nach dem Irak-Krieg wird das kaum einer bestreiten.
Der zweite Faktor ist die noch wenig verstandene Rolle des Dollars
als grösster Reservewährung der Welt. Amerikas wirtschaftliche
Hegemonie hängt von der Rolle des Dollarsystems bzw. des
vom IWF geleiteten Dollarstandards ab, und der Dollar ist die
Achillesferse der Pax Americana.
Eine Folge der unilateralen Aussenpolitik der Vereinigten Staaten
im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg ist, dass die Alliierten Amerikas
rund um die Welt beginnen, ihre langjährigen Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten, den Dollar
eingeschlossen, zu überdenken. Die militärische Besetzung
des Irak mag die kurzfristige Gefahr, dass andere, kleinere Ölproduzenten
zur Bezahlung ihrer Ölverkäufe vom Dollar zum Euro wechseln,
ausgeschaltet haben.
Sie fürchten die Reaktionen der Vereinigten Staaten.
Aber die Besetzung hat keineswegs die Anstrengungen anderer Nationen
beseitigt, Wege zu finden, um die Abhängigkeit von einer
Pax Americana zu vermindern, die sie mehr und mehr als bedrohlich
empfinden.
Bewegung in Asien
Nun sind bedeutende Bewegungen in Asien festzustellen, um genauer
zu sein, in den grösseren und kleineren Wirtschaftsnationen,
wie zum Beispiel in China, Japan und Südkorea sowie den zehn
Volkswirtschaften des ASEAN (Association of Southeast Asian Nations),
das sind Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand undandere.
Diese könnten eine Bewegung der Zentralbankreserven weg vom
Dollar und zumindest teilweise hin zum Euro enthalten. Wenn man
die Grössenordnung der Dollarreserven der asiatischen Zentralbankenbedenkt,
verdient diese kaum wahrgenommene Bewegung genauere Beachtung.
Zumindest deutet sie darauf hin, dass die Nachkriegsbasis des
Dollarreiches in Wirklichkeit sehr zerbrechlich ist.
Der Irak-Krieg war ein Akt, der aus der strategischen Schwäche
der USA heraus geboren wurde, nicht aus deren Stärke.
Was in Asien in den kommenden Monaten passiert und die Art und
Weise, wie die EU darauf reagiert, könnte ausschlaggebend
für den Verlauf der globalen ökonomischen Landkarte
werden - zum Besseren oder zum Schlechteren.
Es kommt darauf an, was die Regierungen von Berlin bis Peking
und darüber hinaus tun wollen.
Asien und der US-Dollar
Die Zentralbanken der grössten asiatischen und eurasischen
Länder diskutieren zurzeit,wie man sich gegen zukünftige
Währungsattacken wie die von 1997/98 wehren kann, bei der
grosse Offshore-Fonds, geführt von George Soros und anderen,
wilde Attacken gegen die asiatischen Ökonomien lanciert haben.
Sie sagen es zwar nicht offen, aber sie
fürchten zukünftige Spekulationsattacken aus den Vereinigten
Staaten.
Japan, Südkorea und China bildeten 1999 gegen den Einspruch
Washingtons eine Gruppe, die der aus kleineren Ländern bestehenden
ASEAN-Gruppe beitrat und sich ASEAN 3 nannte.
Nun bereitet diese Gruppe die Ausgabe von regionalen Staatsanleihen
vor, um die Infrastruktur oder andere Staatsprojekte zu finanzieren;
jedoch mit einem grossen Unterschied:
Die Staatsanleihen werden nicht in Dollar, sondern in den eigenen
regionalen Währungen, wie Yen, Baht oder Renminbi, ausgegeben.
ASEAN 3 hofft so, ihre Abhängigkeit vom Schicksal des Dollars
zu verringern.
Auswirkungen auf Europa und die Weltwirtschaft
Die potentiellen Auswirkungen auf Europa und die Weltwirtschaft
sind enorm. Eine Dollarpanik könnte ausgelöst werden.
Solch eine Panik, wenn es keine anderen realen Alternativen zur
Rolle des Dollars als Reservewährung gibt, könnte eine
globale Depression und Chaos zur Folge haben.
Wenn es aber solche Alternativen gibt, besonders zwischen der
EU und anderen grossen Handelsregionen wie der ASEAN 3-Gruppe,
könnte eine solcheDollarkrise zu der dringend nötigen
Debatte über eine Alternative zum IWF und zur Globalisierung
des Dollars führen. Dies wird die schwierigste Herausforderung
werden,mit der die Welt seit 1945 konfrontiert war.
Dollarabhängigkeit, Dollarreserven und US-Handelsbilanzdefizit
Einer der Hauptgründe, warum Amerika in der Lage war, seit
mehr als 20 Jahren chronische Handelsbilanzdefizite ohne Furcht
vor einer Dollarkrise durchhalten zu können, ist die Tatsache,
dass Länder wie Japan oder China, die massiv für den
US Verbrauchermarkt exportieren, ihre Waren in Dollars verkaufen.
Diese Handelsdollars von asiatischen Firmen landen schliesslich
in den nationalen Zentralbanken - der Bank von Japan, der Bank
von China und so weiter. Und hier zeigt sich die problematische
Seite der Dollarhegemonie. Weil so viele Welthandelsgüter
- Öl, landwirtschaftliche Güter, Gebrauchsgüter
- nur in Dollars verkauft werden,
muss die Welt diese Dollars aus ihren Exporten verdienen, um Öl
und andere Dollargüter importieren zu können.
Es gibt ein allgemeines Gerangel in der Welt, Dollars zu verdienen.
Dollars, anders als Gold, können Zinseinkommen produzieren,
wenn sie in sicheren Dollarinvestments investiert sind. Die sicherste
Dollarinvestition für eine Zentralbank sind US-Staatsanleihen.
Zumindest war dies bis vor kurzem so. Seit den frühen Siebzigern,
als Washington den Dollar von einer festgelegten Goldsumme abkoppelte,
haben Zentralbanken in der ganzen Welt mit ihren Dollarreserven
US-Staatsanleihen gekauft. Dies erlaubte den USA, die grösste
Schuldnernation der Welt unter dem Dollarstandard zu werden.
Ihre Nettoschulden gegenüber der Welt betragen heute fast
3,7 Billionen Dollar!!
Wohin mit den asiatischen Handelsüberschussdollars?
Bis vor kurzem war Japan weltweit der grösste Eigentümer
von US-Staatsanleihen, da es der grösste Handelspartner der
USA war.
In den vergangenen paar Jahren hat China Japan als führenden
Handelsexporteur für die USA überholt.
Letztes Jahr hatten China und Japan einen Rekordhandelsüberschuss
gegenüber den USA von 100 Milliarden Dollar.
Alles in allem besitzen die Länder Ostasiens zusammen mit
China, Japan und Südkorea den Löwenanteil der Handelsüberschussdollars
der Welt. Die Frage ist nur, wo man die Dollars investieren soll.
Gemäss der Schätzung des Citibank-Ökonomen Arun
Motianey stehen die 13 Zentralbanken der ASEAN 3,
die alle sehr viel exportieren und sehr wenig importieren, für
etwa 95% aller Welthandelsüberschüsse.
Davon reinvestieren sie mehr als 80% in US-Schatzbriefe und andere
Anleihen der US-Regierung, unter anderem Anleihen für die
aktuelle Immobilienseifenblase.
Heutzutage halten die ASEAN 3 ungefähr 90% aller US Dollarreserven.
Asien ist neben den Opec-Ländern die wirtschaftliche Hauptstütze
des Dollarempire oder der Pax Americana.
Und das macht die Asiaten sehr nervös, insbesondere nach
dem Irak-Krieg und dem Fall des US-Dollars vor kurzem. Washington
pokert damit, dass Asien so viele Dollars hat und dass es davor
zurückschreckt, irgend etwas zu tun, was
eine weitere Schwächung seiner Dollarinvestitionen nach sich
ziehen könnte.
Was aber, wenn sich das ändern sollte?
Plant Asien den Ausstieg aus dem Dollar?
Wenn die asiatischen Zentralbanken für ihren Regionalhandel
plötzlich gegen andere Währungen exportieren würden,
so würde dies Schockwellen auf der anderen Seite des Pazifik
auslösen. Zurzeit handeln alle asiatischen Ökonomien
untereinander in der gemeinsamen Währung, dem Dollar, ganz
so wie es in der Ära des britischen Empire war, als das Pfund
Sterling die höchste Währung der Welt war. Nun könnten
sie eine Änderung der Dollarordnung in Betracht ziehen.
Und das könnte die Grundlage für eine noch viel bedeutendere
Veränderung in der Zukunft werden.
Gemäss einem Bericht des New Yorker Blattes «Newsday»
vom 25. Mai planen die ASEAN 3-Länder die Ausgabe von internationalen
Anleihen oder staatlichen Schuldscheinenin ihren eigenen Währungen
anstatt in Dollars, um ihren Bedarf
zu finanzieren.
Wenn sie das tun, berichtet «Newsday», «würden
die asiatischen Länder den Umfang des Überschusses zurückfahren,
den sie in denVereinigten Staaten investieren».
Bei dem kürzlich aufgetretenen Einbruch des Dollars gegenüber
dem Euro von 26% konnte eine Dollarkrise nur noch durch weiterhin
durchgeführte Käufe von Dollars und US-Schatzbriefendurch
die asiatischen Zentralbanken verhindert werden.
Nach der Asienkrise
Nach Aussage von Chalmers Johnson, einem angesehenen Asienexperten
in den Vereinigten Staaten, wurde die Asienkrise von 1997 bewusst
von Washington und den verbündeten New Yorker Banken gefördert.
Spekulanten wie Soros verwendeten Bankkredite, um die meisten
der asiatischen Wirtschaften zu zerstören.
Hinter Soros und seiner kleinen Gruppe von Spekulanten standen
die riesigen Fonds von bedeutenden internationalen Banken, alle
in Offshore-Steuer-Oasen wie den Cayman Inseln oder den Niederländischen
Antillen versteckt.
Washington brachte dann den IWF ins Spiel, um den Wiederaufbau
Asiens zu «managen».
Die IWF-«Reformen» brachten einen gewaltigen Aufschwung
für den Dollar.
Vor 1997 waren die asiatischen Wirtschaften Netto-Importeure von
Dollars, weil internationale Fonds die asiatischen «Tiger»-Wirtschaften
überfluteten, um dort zu investieren. «AmEnde des kalten
Krieges», sagte Johnson, «beschlossen die Vereinigten
Staaten, dass sie (die Wirtschaft) Ost-Asiens zurückschrauben
müssten, wennsie ihre globale Hegemonie behaupten wollten.»
Der Dollar - Gewinner der Asienkrise
Obwohl wir vielleicht nie einen schriftlichen Beweis dafür
haben werden, dass Washington hinter der Asienkrise von 1997 stand,
war der Dollar seit 1998 der klare «Gewinner».
Andrew Crockett, der Generalmanager der Bank for International
Settlements (BIS), berichtete an einem Treffen von ASEAN 3-Ländern
letzten Oktober in Peking, dass seit der Asienkrise von 1998 «Ostasien
ein sehr grosser
Nettokapital- Exporteur» geworden sei. Er fügte hinzu,
dass «Länder mit Leistungsbilanzdefiziten, besonders
die Vereinigten Staaten, von Kapitalzuströmen profitiert
haben, um ihre Defizite zufinanzieren».
Ohne die Hunderte von Milliarden Dollar, die Asien in US-Handelsanleihen
investiert hat, würde der US-Zinsfuss sehr viel höher
liegen und die Wirtschaft sich in einer sehr viel tieferen Rezession
befinden. Amerika lebt von geliehenem Geld, kann man sagen. Ebenso
verhält es sich mit der militärischen Hegemonie Amerikas
und seiner Fähigkeit, Kriege wie den imIrak zu finanzieren.
Im Jahre 1996, kurz vor der Asienkrise, belief sich das gesamte
Leistungsbilanzdefizit von ASEAN und Südkorea (nicht eingeschlossen
China oder Japan) auf 33 Milliarden Dollar.
Ein «Leistungsbilanzdefizit» umfasst den Import- und
Exporthandel ebenso wie Investitionsgewinne oder -verluste im
Ausland. Ostasien importierte Dollars, um seine wirtschaftlichen
Investitionen zu finanzieren. 1999 schlug dieses Defizit in einen
Überschuss von 87 Milliarden Dollars um, das sich jetzt in
Händen der ASEAN-Länder befand.
Die Bank for International Settlement schätzt, dass Ostasien
letztes Jahr einen Überschuss von 200 Milliarden Dollar erwirtschaftet
hat. Fast alles floss in den Einkauf von US-Handelsanleihen und
Wertpapieren in US-Dollars.
Während also Investoren aus Europa und dem Nahen Osten das
Dollarrisiko reduzierten, indem sie US-Vermögenswerte verkauften,
wurden Ostasien, Japan und China gezwungen, sie zu kaufen, um
einen Kollaps des Dollars zu verhindern.
Gemäss vertrauenswürdigen Schätzungen besitzen
alle asiatischen Zentralbanken zusammen heute Rücklagen in
der Höhe von mehr als 1,5 Billionen Dollar.
Sie sind neben den Opec-Petro-Dollars die finanzielle Stütze
der Pax Americana.
Das Problem ist, dass der relative Wert dieser ostasiatischen
Dollarrücklagen im Fallen begriffen ist. Deshalb sind regionale
Zentralbanken, wie zum Beispiel die Bank von Japan, gezwungen,
noch mehr Dollars zu kaufen, um zu
verhindern, dass ihre eigene Währung zu teuer wird und die
asiatischen Exportprofite Schaden nehmen. Die
ASEAN, China, Japan und Korea haben als Folge davon plötzlich
festgestellt, dass sie Hunderte von Milliarden von schwindenden
Vermögenswerten halten: die US-Dollaranleihen.
Südostasiatische Alternativen ...
Man hat in Asien darüber nachgedacht, einen asiatischen Währungsfond
nach dem Muster der Europäischen Währungsunion zu gründen.
Angesichts der grossen politischen Differenzen in der Region und
den Ängsten vor japanischer oder chinesischer Vorherrschaft
ist mit einem Währungsfond, der formal dem der EU ähnelt,
bestenfalls in
einigen Jahren zu rechnen.
Aber Staatsanleihen, die in regionalen Währungen anstatt
in Dollars ausgegeben werden - das wird schneller kommen können,
als Washington erwartet. Wenn das passiert, müssen wir mit
einer neuen Dollarkrise rechnen.
Der aus dem Amt geschiedene Premierminister von Malaysia, Dr.
Mahathir Mohamad, gab am 16. Juni in Kuala Lumpur den Vorschlag
bekannt, das malaysische Öl und Erdgas sowohl gegen Dollars
als auch gegen Euros zu verkaufen.
Japan importiert Erdgas von Malaysia.
Dieser malaysische Vorschlag wurde einen Tag nach einem Treffen
asiatischer Führungskräfte in Tokio gemacht, auf dem
sie zu dem gemeinsamen Entschluss kamen, dass es von vitalem Interesse
ist, einen asiatischen regionalen Markt
für Anleihen zu gründen.
Dieser vom Dollar unabhängige Markt macht sie immun gegenüber
Währungsspekulationen und Kapitalflucht, wie sie es in den
Jahren 1997-1998 erlebten. An derselben Konferenz sagte Dr. Mahathir:
«Wir müssen überdenken, ob wir auf den Dollar
angewiesen sind oder nicht [...]. Zunächst, ja, da sind wir
auf den US-Dollar angewiesen. Aber wir sollten beginnen, vom US-Dollar
abzurücken.» Seine Aussagen wurden von der philippinischen
Präsidentin Gloria Arroyo und anderen unterstützt. ASEAN
3 wird wahrscheinlich zunächst sehr behutsam vorgehen, aber
die Richtung ist klar.
... und Reaktionen aus Washington
Bis jetzt war die Reaktion Washingtons indirekt und zurückhaltend.
Am 6. Mai unterzeichnete Präsident Bush ein Freihandelsabkommen
mit Singapur, Asiens Finanzzentrum. Bis jetzt existieren solche
Übereinkommen nur mit Mexiko,
Kanada, Israel und Jordanien. Washington ersucht, einen Keil in
die ASEAN-Gruppe zu treiben.
Washington wird auch die militärischen Spannungen zwischen
Nordkorea und seinen Nachbarstaaten ausnutzen, um die Asiaten
von ihrem Plan, vom Dollar unabhängig zu werden, abzubringen.
Am 6. Juni äusserte der Pentagon-Berater und führende
neokonservative Falke Richard Perle einem deutschen Interviewer
vom Kanal N24 gegenüber, dass ein «präventiver
Nuklearschlag gegen Nordkorea» nicht ausgeschlossen werden
könne. Das ist reinste psychologische Kriegsführung
der USA. Nicht gegen Nordkorea, sondern gegen Japan, Südkorea
und China.
Sie alle fürchten, dass Washington gegen Korea einen Militärschlag
wie im Irak durchführen könnte. Japan und Südkorea
bleiben abhängig von der amerikanischen militärischen
Sicherheitsgarantie,und Washington benutzt dies, um die asiatischen
Regionen zu Zugeständnissen in Wirtschaft und Handel zu zwingen.
Ein Militärschlag Amerikas gegen Korea würde ein unsägliches
Chaos in der Region auslösen.
Was
wird Europa tun?
Die strategische Frage der kommenden Monate ist, ob die politischen
Führungskräfte der EU, besonders Deutschlands und Frankreichs
und anderer Eurozonenländer, bereit sind, ihre potentielle
Stärke zu verwirklichen, indem sie Eurohandelsverbindungen
mit ASEAN 3 eingehen. Washington würde solche Bewegungen
natürlich als «feindlichen Akt» betrachten.
Aber gerade eine solche Drohung könnte eine ernsthafte politische
Debatte über die Zukunft des weltweiten Wirtschaftssystems
erzwingen. Wären EU-Führungskräfte bereit, Asien
und anderen Entwicklungsregionen eine gerechtere und fairere Währungsordnung
als die des Dollarimperiums der vergangenen Jahrzehnte anzubieten,
könnte eine Vereinigung von ASEAN 3 mit Eurozonenländern
und vielleicht mit Russland stark genug sein, Washingtonzu einem
politischen Umdenken zu zwingen.
Die EU und die Beziehungen zu den ASEAN 3-Staaten
Was die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen angeht, gibt es eine
solide Basis für eine künftige Kooperation der EU mit
den ASEAN 3. Asien ist insgesamt der zweitgrösste Handelspartner
der EU; deren Exportbilanz beträgt nahezu
200 Milliarden Euro, und die Importbilanz hat eine Höhe von
320 Milliarden Euro für das Jahr 2000.
Dies heisst,dass die asiatischen Zentralbanken einen Handelsüberschuss
von 120 Milliarden Euro mit der EU erwirtschaftet haben, was ein
guter Ausgangspunkt dafür ist, die in Dollar gehaltenen Währungsreserven
künftig in Euro zu halten.
In der Tat ist das Handelsdefizit der EU mit Asien in Höhe
von 120 Milliarden Euro höher als das gesamte Handelsdefizit
der EU von 87 Milliarden Euro.
Von einem anderen Standpunkt aus betrachtet ist dies eher ein
positiver als ein negativer Faktor, kann dieses Ungleichgewicht
doch dazu dienen, die Verbindung zwischen der asiatischen Wirtschaft
und dem aufstrebenden Euro
als Alternative zum Dollar zu festigen.
Mehrere asiatische Regierungen haben nach dem Schock der Asienkrise
wegen ihrer übermässigen Dollarabhängigkeit offen
über eine Diversifizierung der Währungsreserven gesprochen.
Der Euro wurde dabei oft als Alternative genannt.
Die EU hat verschiedene Aktivitäten unternommen, um der Dominanz
der USA und der asiatischen Organisation APEC (Asia Pacific Economic
Cooperation), die von Washington diskreditiert wird, zu begegnen.
Im Jahre 1994 legte die EU ein Strategiepapier vor, um die Gespräche
mit der asiatischen Region in Gang zu bringen. Dann, zur Zeit
der Asienkrise, richteten die EU und Asien ein jährliches
Gipfeltreffen ein, das «Asia-Europe-Meeting» (ASEM),
sowie Gipfelgespräche mit China, Japan und Südkorea.
Auf Wunsch des französischen Präsidenten Chirac wurde
China als spezieller Gast zum G-8-Gipfel in Evian eingeladen.
Viele EU-Länder sind auch Mitglieder des Aufsichtsrates der
Asian Development Bank (ADB), einer Filiale der Weltbank, die
von Japan geführt und von asiatischen Ländern dominiert
wird. Die ADB könnte eine wichtige Rolle bei der Finanzierung
regionaler Wirtschaftsinfrastrukturen spielen, wurde bisher aber
auf Druck aus Washington daran gehindert.
Quelle:
http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_107b/T04.HTM
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