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Nehmen wir einmal an, Sie wären Verwaltungsangestellter
in einem mittelständischen Reisebüro. In jüngster
Zeit erhält Ihre Firma immer weniger Aufträge, weil
sich immer weniger Menschen Fernreisen leisten können. Die
ALDI-Eigentümer (die Brüder Karl und Theo Albrecht)
können sich natürlich Fernreisen leisten, haben aber
einen Privatjet. Einen Privatjet haben sie, weil sie mit einem
Vermögen von rund 26,8 Milliarden Dollar die drittreichsten
Leute der Welt sind. So viel Geld besitzen die ALDI-Brüder
deshalb, weil Sie in deren Supermärkten einkaufen. Bei ALDI
kaufen Sie ein, weil es dort billig ist. Bei ALDI ist es aber
nur deshalb billig, weil man knallhart kalkuliert – was
nichts anderes bedeutet, als dass man die Hersteller und Zulieferer
ausbeutet (dazu gleich mehr). Diese machen irgendwann Pleite und
buchen keine Geschäftsreisen mehr beim Reisebüro Ihres
Arbeitgebers. Daher herrscht bei ihm nun ebenfalls Ebbe in der
Kasse – und auch er meint, nun bei ALDI einkaufen zu müssen.
Genau wie seine bankrotten Ex-Kunden und Sie. Merken Sie etwas?
Ein Teufelskreis, ganz richtig. Die Preisfrage lautet: Wie kann
man ihn durchbrechen?

Zunächst müssen wir uns klar machen, was wir tun, wenn
wir für ein Schnäppchen Ausbeutung in Kauf nehmen: Wir
beuten uns selbst aus! Geiz ist nämlich gar nicht geil, und
wer auf die „Mutter aller Schnäppchen” hört,
ist sogar saublöd. Allerdings ist der Kreislauf der Ausbeutung
nicht immer ganz einfach zu durchschauen, da er oftmals rund um
den gesamten Globus verläuft – Stichwort Globalisierung.
Bleiben wir noch für einen Moment beim Beispiel ALDI. Der
Konzern ist einer der größten Kaffee-, Tee- und Schokoladenverkäufer
Deutschlands und setzt mit seinen niedrigen Preisen Zulieferer
und Mitbewerber (die dadurch in dieselbe Abwärtsspirale der
Ausbeutung gezwungen werden) unter extremen Druck.
Die Folge davon sind katastrophale Arbeitsbedingungen
und Löhne weit unter dem Existenzminimum in den Rohstoffländern
Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Dazu kommt u.A. die Abholzung
von ökologisch höchst bedeutsamen Mangrovenwäldern
in ganzen Küstenregionen, weil massenhaft Shrimpszucht betrieben
wird, damit ALDI seine Kunden mit billigen Garnelen aus dem Pazifik
beliefern kann.

Mangrovensümpfe vorher und nachher
Allmählich dämmert uns damit ein Zusammenhang
mit Schreckgespenstern wie Klimaveränderungen oder einer
Völkerwanderung der Armen in reiche Industrienationen. Ehe
wir nun aber mit dem Finger auf die Albrecht-Brüder zeigen
und Superkapitalisten wie sie für die Flutkatastrophe vor
zwei Jahren und die angeblich so kostenintensiven Wirtschaftsflüchtlinge
in Deutschland alleinverantwortlich machen, wollen wir tief durchatmen
und uns an unsere Rolle in diesem Drama erinnern. Wir sind König
Kunde. In unserer Macht und allein in unserer liegt es, die Dinge
zum Besseren zu wenden!
Merke: Wer billigt kauft, der kauft halt manchmal
verdammt teuer. Denn es ist ja nicht so, dass sich die negativen
Mechanismen des unbewussten Konsums auf ferne Länder und
vermeintlich vage Zusammenhänge mit Umweltveränderungen
beschränken. Erst im Herbst 2000 revoltierten französische
Gewerkschaften, weil ALDI dort Angestellte bis zu 60 Stunden pro
Woche arbeiten ließ, ohne Überstunden zu bezahlen.
Und aus erster Hand von einem Freund weiß ich, dass die
ALDI- Einkaufspolitik für zahllose Firmenpleiten (und damit
zahllose neue Zwangssparer und ALDI-Kunden!) verantwortlich ist.
So werden Waren wie z.B. CDs und DVDs von ALDI nur bei vollem
Rückgaberecht gekauft, wobei man dem Hersteller die geringst
mögliche Gewinnspanne von oft nur einem Cent pro Einheit
zugesteht.
Das Geschäft scheint dennoch interessant
zu sein, da die ALDI-Kette ja extrem große Stückzahlen
ordert, um ihre vielen Filialen bestücken zu können.
Wehe dem, der für den vermeintlich lukrativen Großauftrag
nun Kredite aufgenommen hat und dann auf seiner Ware sitzen bleibt!
Karl und Theo Albrecht haben nicht zuletzt deshalb so viele Milliarden
gescheffelt, weil sie das Risiko ihrer Billigangebote eben lieber
auf andere abwälzen, als es selbst zu tragen. Warum also
nicht die Augen öffnen und in uns selbst investieren, indem
wir regional und ökologisch hergestellten Lebensmitteln den
Vorzug geben, auch wenn sie ein paar Euro mehr kosten? Meist sind
diese Produkte ja auch viel gesünder und bekömmlicher
als billig produzierter Industrieramsch.
Warum nicht Importwaren aus „Fairem Handel”(2)
beziehen, warum nicht zu Tante Emma als zu Onkel ALDI gehen? Nicht
zuletzt berauben wir uns durch die Unterstützung für
lieblose Selbstbedienungsläden mit gestressten Kassiererinnen
doch auch der Kommunikation in unserem Leben. Wer stattdessen
mal beim Krämer um die Ecke einkauft, wird den Unterschied
erleben!
Dieser Artikel zeigt Ihnen aber nicht nur wie
Sie von den Konzernen "an die Hand genommen" werden
um sich Ihr Leben zu versüßen und den Geldsack der
globalen Riesenunternehmen zu füllen, sondern hält auch
eine Fülle von Informationen bereit um Ihnen einen Schlüssel
in die Hand zu geben, der es Ihnen ermöglicht, aus dieser
Spirale auszubrechen.
Lesen Sie den ganzen Artikel
in Depesche
Nr.
10/2004
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