Schwere Fehler bei Terrorabwehr: CIA und FBI erneut am Pranger
Von
Gabriele Chwallek, dpa
Washington
(dpa) - US-Präsident George W. Bush konnte sich am Donnerstag
glücklich schätzen, dass die Veröffentlichung der
Fotos von den toten Saddam-Söhnen alle anderen Nachrichten
überlagerte. Das nämlich lenkte zunächst vom Kongress-Untersuchungsbericht
zu den Terroranschlägen vom 11. September ab und damit von
einer weiteren Unannehmlichkeit für den Präsidenten.
Der Report
wurde zu einem Zeitpunkt publik, da die Diskussion um die geheimdienstlichen
Erkenntnisse vor dem Irak-Krieg noch im vollen Gange ist - mit
der Rolle des Weißen Hauses und der CIA bei der Darstellung
der irakischen Bedrohung im Mittelpunkt. Und nun geraten der Geheimdienst
und dazu auch das Bundeskriminalamt FBI wegen ihrer Fehler, Pannen
und Schludereien im Vorfeld des 11. September erneut an den Pranger.
Bush selbst
sieht sich heftiger demokratischer Kritik an der "Zensur"
des Kongressberichts ausgesetzt - von "Vertuschungsmanövern"
ist die Rede. Das ist ein neuer harscher Vorwurf, nachdem das
Weiße Haus wegen seiner Darstellung der irakischen Bedrohung
vor dem Krieg und seiner anschließenden Bemühungen
um eine Schadensbegrenzung mit allen möglichen Schuldverteilungen
ins Zwielicht geraten ist.
Just am Donnerstag
wurde in einer Kolumne der renommierten "Washington Post"
erstmals der Rücktritt von CIA-Direktor George Tenet gefordert.
Der Kommentator wirft Tenet vor, er habe sich durch die Übernahme
der Schuld für den Bush-Vorwurf irakischer Uran-Kaufversuche
vor den Karren des Weißen Hause spannen lassen und damit
die Unabhängigkeit der CIA aufs Spiel gesetzt.
Was immer
auch im veröffentlichten Kongressbericht fehlt: Das, was
erwähnt wird, ist immer noch deftig genug. Zwar geht die
Kommission nicht so weit, CIA, FBI und anderen Geheimdiensten
direkt vorzuwerfen, sie hätten durch ihre Fehler die Anschläge
vom 11.September möglich gemacht. Aber es klingt an, dass
vor allem durch mangelnden Informationsaustausch zwischen den
in Rivalitäten und Machtkämpfen verstrickten Behörden
eine vorhandene Chance vergeben wurde, die Pläne der Terroristen
zu vereiteln.
CIA und FBI
ist zu Gute zu halten, dass sie inzwischen auf Hochtouren an internen
Reformen arbeiten und die Kommunikation verbessert haben. So wurde
beispielsweise beim Bundeskriminalamt die Zahl der Spionageabwehr-Spezialisten
auf 3000 erhöht und damit verdoppelt. Vor allem den Bedrohungsanalysen
soll mehr Bedeutung eingeräumt werden.
Beim FBI und
bei der CIA weiß man genau, dass ihnen bei den Reformbemühungen
genau auf die Finger geschaut wird. Neue Fehler kann man sich
nicht mehr erlauben. Beide Einrichtungen haben schließlich
schon eine lange Pannen-Vorgeschichte, die zum Beispiel die CIA
schon einmal an den Rand einer Zerschlagung in zwei Einzelbehörden
brachte.
Vom Schweinebucht-Debakel 1961 auf Kuba über die Iran-Contra-Affäre
von 1986 in Nicaragua, die irrtümliche Bombardierung der
chinesischen Botschaft in Belgrad 1999 wegen einer veralteten
Straßenkarte bis hin zur misslungenen Operation im Irak
zum Sturz von Saddam Hussein 1999:
Das Sündenregister der CIA ist beachtlich. Zu den größten
Peinlichkeiten beim FBI gehört, dass 15 Jahre lang einer
seiner Agenten unentdeckt für Moskau spionieren konnte. ©dpa
Weiterführende
Informationen:
http://www.background-books.de/
http://www.raf-phantom.de
http://www.sopos.org/ossietzky/
http://www.copvcia.com
(englisch, aber top!!!)
|