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Aus Michael Kents Depesche 35/2006
http://www.kent-depesche.com/jahrgang2006/2006_35.html
Der Fehler im System
Text: Larry Hannigan, Australien, 1971 (!) Originaltitel:
„I Want the Earth Plus 5 %”
(„Gib mir die Welt plus 5 Prozent”), Übersetzung
und Redaktion: Michael Kent
Die Geschichte von Fabian, dem Goldschmied:
»Gib mir die Welt plus 5 Prozent!«
Das unentdeckte Geheimnis des Banken- und Geldsystems –
warum überall Geld fehlt!
Vorwort
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, der
nachfolgende Text erzählt die Geschichte des Geldes und des
Bankensystems und erhellt ganz nebenbei mehrere gut gehütete
Geheimnisse.
Wir laden Sie herzlich ein, diesen Text breitflächig
zu verteilen. Mindestens eine Million Menschen im deutschsprachigen
Raum sollen in Kenntnis dieses Artikels kommen. Ziel-setzung
dieser Aktion ist, einen Bewusstseinsschub in der Bevölkerung
in Gang zu setzen, der nicht nur unsere gegenwärtige Zinswirtschaft
als Kontrollinstrument weniger „Auserwählter”
erkennbar werden lässt, sondern die Weichen für ein
menschenfreundliches, gerechtes Geld-system stellen soll.
Da die meisten Menschen unser gegenwärtiges
System einfach als gegeben akzeptieren und bestenfalls versuchen,
für sich selbst das Meiste an Profit herauszuholen, bedarf
es auch in diesem Bereich dringend eines Umdenkens.
Die Wurzel der Zinswirtschaft ist unserer Ansicht
nach nicht in einem System zu finden, son-dern in der menschlichen
Schwäche der Gier, welche nicht nur die Top-Banker dieser
Welt betrifft, sondern bedauerlicherweise auch breite Bevölkerungsschichten.
Daher ist die Arbeit jedes Einzelnen an dieser Wurzel unumgänglich.
Eine immer häufiger praktizierte Alternative
zum globalen Geldsystem stellen die zahlreicher werdenden Regionalwährungen
dar (mehr dazu siehe Links am Ende des Textes). Darüber hinaus
werden Menschlichkeit, Mut, Tatkraft, die Wendung zu ökologischen
Wirtschaftswei-sen und politisch-gesellschaftliches Engagement
vieler Einzelner den Schlüssel zur Gesun-dung unseres Systems
darstellen. Wir sind überzeugt, dass auch Sie mehr als nur
einen wert-vollen Beitrag dazu leisten können.
Ich wünsche Ihnen angenehme Lektüre
und aufschlussreiche Entdeckungen.
Michael Kent
PS Wenn Sie nach Lektüre der Geschichte wünschen,
dass andere ihren Inhalt ebenfalls kennen sollten, dann senden
Sie diesen Text bitte an Ihren E-Mail-Verteiler und teilen die
versendete Anzahl an redaktion@kent-depesche.com mit. Wir zählen
alle Versendungen und geben den aktuellen Stand jeweils in unserer
Depesche bekannt (www.kent-depesche.com). Der Text steht auch
auf unserer Webseite zur kostenlosen Verfügung (auch als
PDF-Version). Eine Druckversionen (12 Seiten) dieses Artikels
erhalten Sie für nur 20 Cent pro Stück (im Format DIN
A4) bzw. 10 Cent pro Stück (DIN A5) beim Sabine Hinz Verlag.
Tauschhandel
Fabian war innerlich erregt, als er seine Rede
übte, die er am kommenden Tag vor einer gro-ßen Menschenmenge
halten würde. Schon immer hatte er nach Macht und Prestige
gestrebt. Nun würde sein Traum bald wahr werden.
Fabian war Handwerker, der mit Gold und Silber
arbeitete, Schmuck und Verzierungen her-stellte, doch es gefiel
ihm nicht, dass er sich seinen Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen
hatte. Er suchte den Reiz des Außergewöhnlichen, die
Herausforderung – nun stand sein gro-ßer Plan vor
der Verwirklichung.
Seit Generationen war der direkte Warentausch
die gängige Art des Handels. Familien lebten davon, sich
auf bestimmte Waren zu spezialisieren und den Überschuss
mit Waren eines an-deren Händlers auszutauschen.
Der Marktplatz war der laute Mittelpunkt des gesellschaftlichen
Lebens. Dem Volk gefiel das bunte Treiben, denn es gab immer viel
Neues und Interessantes zu hören. In letzter Zeit aller-dings
nahmen Umtriebe und Streitigkeiten zu – ein besseres System
schien nötig, wenngleich die Menschen immer noch fröhlich
waren und die Früchte ihrer Arbeit genossen.
Die Regierungsform war äußerst simpel:
In jeder Gemeinde wurde ein Bürgerrat gewählt, dessen
Aufgabe es war, Freiheiten und Rechte des Einzelnen zu sichern
und zu gewährleisten. Niemand durfte gegen seinen Willen
zu irgendetwas gezwungen werden. Das war der einzige Zweck der
Regierung. Dennoch war der Bürgermeister manchen Situationen
nicht gewach-sen, insbesondere wenn es darum ging, bei Uneinigkeiten
auf dem Marktplatz festzulegen, ob beispielsweise ein Messer mit
einem oder zwei Körben Mais zu bezahlen sei oder ob einer
Kuh mehr Wert beizumessen wäre als einem Leiterwagen. Fabian
hatte nun angekündigt, dass er die Lösung für diese
Probleme habe.
Münzgeld
Tags darauf erläuterte Fabian vor einer großen
Menschenmenge sein neues System, das er „Geld” nannte.
Da die Sache recht viel versprechend klang, fragten die Menschen
in ihrer Neugierde, wie zu beginnen sei. »Das Gold, aus
dem ich Schmuck mache, ist ein erstklassiges und wertvolles Metall,
das nicht rostet und lange währt. Also werde ich aus Gold
Münzen herstellen und sie Goldtaler nennen«, sagte
er und erklärte weiter, dass jeder Taler einen be-stimmten
Wert habe und dass „Geld” als Tauschmittel wesentlich
praktischer sei als der di-rekte Austausch von Waren. Ein Mitglied
des Bürgerrates brachte zur Sprache, dass es nicht allzu
schwierig sei, Gold selbst zu schürfen und damit Taler herzustellen.
»Das wäre „unlau-ter” und müsste strikt
unterbunden werden«, entgegnete Fabian, »nur die vom
Bürgerrat zu-gelassenen Münzen sind erlaubt. Zur Sicherheit
werden sie mit einem Siegel versehen.« Jedes Gemeindemitglied
sollte anfangs dieselbe Anzahl neuer Münzen erhalten.
Das klang fair, allerdings unterbrach der Kerzenmacher:
»Das Anrecht auf die meisten Taler habe ich, da jeder Bürger
meine Kerzen braucht.« – »Auf keinen Fall«,
schrie einer der Bau-ern, »ohne mein Gemüse würden
wir alle hungern! Ich verdiene die meisten Taler!« Fabian
ließ sie eine Weile streiten und unterbreitete dann folgenden
Vorschlag: »Da ihr euch nicht einigen könnt, schlage
ich vor, jedem einzelnen so viele Taler zu leihen wie er will,
unter der Voraussetzung, dass diese zurückgezahlt werden.
Da ich das Geld zur Verfügung stelle, habe ich ein Recht
auf eine Vergütung: für 100 Taler erhalte ich am Ende
eines Jahres 105 zurück.
Diese 5 Taler nenne ich „Zins”, sie
sind mein Verdienst.« Dies klang akzeptabel – und
5 % hörten sich geringfügig genug an.
Fabian verlor keine Zeit und verbrachte die nächsten
Tage und Nächte mit der Herstellung von Münzen. In der
folgenden Woche standen die Leute vor seinem Geschäft Schlange
– und nachdem der Bürgerrat die Münzen inspiziert
und genehmigt hatte, liehen sich die ersten Bür-ger ihre
ersten Taler; anfangs nur ein paar wenige, um das ungewohnte System
auszuprobie-ren, dann immer mehr.
Das neue Konzept „Geld” funktionierte
erstklassig und bald wurde alles mit Goldmünzen bzw. Talern
bewertet. Der auf den Waren angebrachte Wert wurde „Preis”
genannt und an-hand des Aufwandes und der Zeit festgelegt, die
in Form von Arbeit geleistet wurde.
Wettbewerb
In einer der Städte des Landes lebte Alban
als einziger Uhrmacher. Seine Kundschaft war be-reit, einen hohen
Preis für seine Uhren zu bezahlen. Dann öffnete ein
neuer Uhrmacher einen Laden und Alban war gezwungen, seine Preise
zu senken, um nicht alle seine Kunden an die billigere Konkurrenz
zu verlieren.
Dieser freie Wettbewerb im ursprünglichen
Sinne erfasste bald sämtliche Branchen. Weil alle möglichst
viel Geld einnehmen wollten, wurde viel gearbeitet und produziert,
der Lebens-standard stieg und schließlich wunderte sich
ein jeder, wie ein Leben vor dem „Geld” über-haupt
möglich gewesen war.
Schulden
Zum Jahresende suchte Fabian all diejenigen auf,
die Geld von ihm geliehen hatten. Manche besaßen mehr, als
sie aufgenommen hatten, was zugleich bedeutete, dass andere weniger
ha-ben mussten, da ja nur eine bestimmte Menge in Umlauf war.
Diejenigen, die mehr in Besitz hatten, zahlten
die hundert Taler plus fünf Taler Zins zurück, mussten
aber oftmals neues Geld leihen, um weiter im Geschäft bleiben
zu können. Die ande-ren jedoch merkten zum ersten Mal, dass
sie Schulden hatten. Fabian gewährte ihnen darauf-hin eine
Ratenzahlung und nahm Teile ihrer Besitztümer als Sicherheit.
Sogleich suchte jeder nach den fehlenden Talern – doch diese
waren sehr schwer aufzutreiben.
Eine Rechnung, die nie aufgehen kann
Keinem wurde gewahr, dass die ganze Nation niemals
wieder unverschuldet sein konnte, denn selbst, wenn jeder einzelne
aller ursprünglich hergestellten und herausgegebenen Taler
am Jahresende zurückgezahlt worden wäre, fehlten pro
verliehenen 100 Talern immer noch jene fünf Taler „Zins”.
Nur Fabian wusste, dass es unmöglich war, den Zins jemals
in seiner Gesamtheit zu erhalten bzw. dass die Rechnung niemals
aufgehen konnte, da dieses Extra-Gold ja nie in der Realität
existiert hatte, es niemals in Umlauf gegeben worden war und nie-mand
sonst extra Münzen hatte herstellen dürfen. Es können
keine 105.000 einzelne Münzen zurückbezahlt werden,
wenn insgesamt nur 100.000 hergestellt worden sind. Alle „fünf
Ta-ler”, die Fabian zum Jahresende Zins bezahlt wurden,
mussten also einem anderen Dorfbe-wohner fehlen.
Bank-Noten
In seinem Atelier hatte Fabian einen großen
Tresor. Manche Kunden fanden es praktisch und bequem, ihm ihre
Münzen gegen eine geringe Gebühr anzuvertrauen. Hierfür
erhielten sie von Fabian eine Quittung.
Bei größeren Einkäufen war es
mühsam, viele Münzen mit sich herumzuschleppen und so
bürgerte es sich im Laufe der Zeit ein, anstelle von Münzen
mit einer oder mehreren von Fa-bians Quittungen zu bezahlen, die
dem Wert der gekauften Ware entsprachen. Die Ladenbe-sitzer akzeptieren
die Quittungen als echtes Zahlungsmittel, da sie dieselben ja
zu Fabian bringen und dafür wieder Goldmünzen erhalten
konnten. Die Quittungen wanderten schnell von Hand zu Hand, ohne
dass das Gold selbst bewegt werden musste. So kam es, dass Fabi-ans
Quittungen bald als ebenso „echt” und wertvoll angesehen
wurden wie die Goldmünzen selbst.
Es dauerte nicht lange und Fabian stellte fest,
dass es ziemlich unwahrscheinlich war, dass auch nur einer seiner
Kunden plötzlich alle seine Münzen zurückfordern
würde. Also dachte er sich: „Warum mehr Münzen
herstellen, wenn sie doch gar nicht gebraucht werden?”,
und so fing er an, die bereits vorhandenen, bei ihm deponierten
Münzen herzuleihen – anfangs mit großer Vorsicht,
nach und nach aber mit wachsender Selbstverständlichkeit.
Er sagte sich: „In der Tat ist es nicht
mein Eigentum, sondern nur das treuhänderisch bei mir deponierte
Kundengold, aber es ist nun mal in meinem Besitz – und darauf
kommt es an.”
Geldschöpfung aus dem Nichts
Eines Tages erhielt Fabian eine große Kreditanfrage.
Er schlug dem Kunden vor: „Warum eröffnen wir nicht
ein Depot in Ihrem Namen, anstatt die gesamten Münzen zu
Ihnen zu transportieren? Ich stelle Ihnen einfach eine entsprechende
Menge Quittungen aus!” Der Kre-ditsteller war einverstanden
und marschierte mit einem Haufen Quittungen davon. Er hatte ein
stattliches Darlehen erhalten und dennoch war alles Gold in Fabians
Tresor verblieben! Nach-dem der Kunde fort war, hatte Fabian ein
Lächeln auf den Lippen, denn es war ihm gelungen „einen
Kuchen sowohl zu behalten als auch zu essen”. Er konnte
also Gold verleihen und es dennoch in seinem Besitz behalten.
Freunde, Bekannte und Fremde, ja selbst Feinde
brauchten Geld für ihre Geschäfte – und so-lange
sie Sicherheiten vorweisen konnten, war dem Geldverleih keine
Grenze gesetzt. Fabian war in der Lage, ein Mehrfaches des in
seinem Tresor gelagerten Geldes – dessen Eigentümer
er noch nicht einmal war – zu verleihen, indem er schlicht
und einfach Quittungen ausstellte und alles war in Butter, solange
der wahre Eigentümer nicht sein Gold zurückverlangte,
das Vertrauen der Leute aufrecht erhalten wurde und er genauestens
Buch darüber führte! Der Geldverleih war in der Tat
ein lukratives Geschäft.
Geheimbund
Fabians sozialer Status stieg so schnell wie sein
Wohlstand. Sein Wort und seine Ansichten in Finanzangelegenheiten
erlangten geradezu prophetische Natur. Goldschmiede aus anderen
Teilen des Landes waren interessiert an seinem Erfolg, und Fabian
berief ein Treffen der Goldschmiede ein, das bereits unter Geheimhaltung
stattzufinden hatte. Schließlich durfte der Schwindel nicht
an die Öffentlichkeit gelangen, wenn die Sache weiterhin
funktionieren soll-te. Nach etlichem Abwägen wurde eine Logenbruderschaft
gegründet und die Mitglieder auf absolutes Stillschweigen
vereidigt. Sie nannten sich die „Erleuchteten” –
und die neu „er-leuchteten” Goldschmiede begannen
nun in allen Teilen des Landes nach Fabians Anweisun-gen Geld
zu verleihen.
Schecks, Überweisungen
Mittlerweile wurden Fabians Quittungen genauso
akzeptiert wie seine Goldtaler und genauso in seinem Tresor unter
Verschluss gehalten. Wenn ein Händler einem anderen einen
be-stimmten Betrag bezahlen wollte, verfasste er einfach eine
kurze Notiz an Fabian, der sodann die Zahlen vom Konto des einen
auf das Konto des anderen Händlers übertrug. Auch dieses
neue System wurde sehr populär. Durch diese „Überweisungen”
oder „Schecks” entstand un-bemerkt wiederum eine ganz
neue Form von Geld – Geld, das nur in Fabians Büchern
exi-stierte – seine Bücher repräsentierten somit
die ersten Girokonten.
Staatliche Banknoten
Spät in der Nacht offenbarte Fabian seinen
Goldschmieden im Rahmen eines weiteren Ge-heimtreffens einen neuen
Plan, der kurz darauf den Bürgermeistern und Regierungsbeamten
unterbreitet wurde: Fabian täuschte alarmplanmäßig
vor, dass viele gefälschte Schecks auf-getaucht seien. Bestürzt
baten die Beamten um seinen Rat. »Mein Vorschlag ist, dass
die Re-gierung künftig Quittungen druckt, die schwer zu fälschen
sind und „Banknoten” genannt werden. Wir Goldschmiede
tragen hierfür gerne die Kosten, uns erspart dies schließlich
die Zeit für das Ausfüllen der Quittungen.«
Dies schien einleuchtend und die Beamten stimmten
ohne Einwand zu, da sie ihre Aufgabe im Schutz der Bürger
vor Betrügern sahen. Außerdem, so Fabian, würden
manche aus Gold heimlich Taler herstellen und folglich sollte
jeder, der nach Gold schürft, mit verstärkter Überwachung
verpflichtet werden, dasselbe bei den Behörden abzugeben,
wobei selbstver-ständlich die dem Wert entsprechende Vergütung
in Form von Münzen und Banknoten dafür ausgehändigt
würde. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen und die Regierung
druckte die neuen Bankquittungen. Auf jeder Banknote war ein bestimmter
Wert aufgedruckt: 1 Taler, 2 Taler, 5 Taler, 10 Taler. Die geringfügigem
Druckkosten wurden von den Goldschmieden übernommen. Da diese
Scheine wesentlich handlicher zu transportieren waren, wurden
sie von der Bevölkerung rasch angenommen. Trotz ihrer Handlichkeit
wurden die Banknoten aber nur für rund 10 % aller Transaktionen
verwendet. Fabians Aufzeichnungen zeigten, dass 90 % aller Transaktionen
durch Überweisungen und Schecks abgewickelt wurden. So war
die Zeit gekommen, die nächste Stufe von Fabians Plan umzusetzen.
Spareinlagen
Um das Geld in seinem Tresor zu bewachen und zu
verwalten, hatte Fabian ursprünglich ein kleines Entgelt
verlangt. Der nächste Schritt im Plan des „erleuchteten
Mannes” bestand nun darin, die sich im Umlauf befindlichen
Banknoten als Anlage in seinen Tresor zu locken.
Daher überarbeitete er seine Forderung und
bot nun seinerseits einen fixen Zinssatz von 3 % für „Spareinlagen”
an. Die Kunden waren natürlich sehr erfreut, dass sie anstelle
einer Gebühr nun sogar einen Bonus erhielten und akzeptierten
dafür auch, dass Fabian das Geld weiter-verlieh, wobei er
seine gewöhnlichen 5 % Zinsen verlangte, was letztendlich
nur 2 % Profit zu sein schienen.
Das von Fabian verwaltete Vermögen wuchs naturgemäß
weiter an – und wieder verlieh er wesentlich höhere
Summen, als tatsächlich in Form von Banknoten im Tresor lagen.
Er war bald in der Lage, für jede 100 Taler in seinem Tresor
200, 300, 400, 800 oder sogar 900 Taler zu verleihen, indem er
einfach einen Scheck ausstellte, wobei er peinlichst darauf bedacht
war, das neun-zu-eins-Verhältnis nicht zu überschreiten,
denn durchschnittlich wollte einer von zehn Kunden sein Geld in
Form von Goldmünzen oder Banknoten ausbezahlt bekommen (was
dem Verhältnis von 10 % Bargeld und 90 % bargeldlosem Zahlungsverkehr
entspricht). Stünden keine ausreichenden flüssige Mittel
in Fabians Tresor mehr zur Verfügung, würden die Leute
natürlich sofort Verdacht schöpfen und ihr Vertrauen
verlieren.
Die Sparbuchidee stellte sich unerwartet lukrativ
dar, da Fabian so bis zu 900 Taler Buchver-mögen aus 100
Talern realer Einlage ableiten konnte, wobei die daraus erwirtschafteten
45 Taler (= 5 % Zins aus 900 Talern) somit weit, weit mehr waren,
als lediglich 2 %, wie allge-mein angenommen wurde. Die anderen
Goldschmiede folgten mit großer Freude diesem Plan. Sie
erschufen Geld einfach aus dem nichts – nur mit Hilfe eines
Füllfederhalters – und ver-langten obendrein noch Zins
dafür.
Natürlich, sie prägten das Geld
nicht selbst, sondern ließen die Regierung Noten drucken
bzw. Münzen prägen, die dann von den Goldschmieden unter
die Leute gebracht wurden. Fabian trug lediglich die Druckkosten.
Dennoch erschufen sie Geld aus dem Nichts und verlangten darauf
auch noch Zinsen. Die meisten Menschen glaubten, die Versorgung
mit Geld sei Sache der Regierung. Sie glaubten ja auch, Fabian
würde nur jenes Geld verleihen, das andere als Spareinlage
bei ihm deponiert hatten. Hätten alle Anleger ihre Gelder
auf einmal zurückgezo-gen, wäre der Schwindel aufgeflogen.
Wenn viele Darlehen in Banknoten oder Münzen
ausgezahlt werden mussten, stellte dies kein Problem dar. Fabian
erklärte der Regierung einfach, dass das Bevölkerungswachstum
oder eine allgemeine Zunahme der Produktion zusätzliche Geldmittel
erforderte – die er dann für eine geringe Druckgebühr
erhielt.
„Wirtschaftswissenschaft”
Der Tag kam, an dem ein Geschäftsmann und
schlauer Denker das System genauer unter die Lupe nahm und Fabian
mit folgender Überlegung konfrontierte: »Für 100
Taler werden 105 Taler als Rückzahlung verlangt; da diese
fünf fehlenden Taler nicht existieren, kann die Rechnung
niemals aufgehen.
Bauern stellen Lebensmittel her, Arbeiter produzieren
Waren, du aber bist der Einzige, der Geld produziert. Angenommen,
es gäbe nur einen einzigen Geschäftsmann im Land, der
die gesamte Wirtschaft kontrolliert, und dieser würde 90
% allen Umlaufgeldes in Form von Ausgaben und Löhnen wieder
auszahlen und die restlichen 10 % als Gewinn verzeichnen, dann
würde dem Unternehmer von den ursprünglichen 100 % Gesamtkapital
nach wie vor der Zinsanteil fehlen – er könnte ihn
nur bezahlen, indem er neues Geld ausliehe. Das System kann daher
nur funktionieren, wenn Du 105 Taler ausgibst – 100 an den
jeweiligen Empfän-ger plus 5 an Dich selbst, die Du dann
ebenfalls in den Wirtschaftskreislauf einbringst. Nur so wären
dann 105 Taler im Umlauf und nur so könnten dann alle Schulden
überhaupt beglichen werden.«
Fabian hörte scheinbar aufmerksam zu
und wusste zugeknöpft zu erwidern: »Wirtschafts- und
Finanzwissenschaften sind wesentlich komplexer, als dass sie derart
vereinfacht abgehandelt und dargestellt werden könnten. Ein
Verständnis dieser Themen verlangt ausgiebiges und vertieftes
Fachwissen. Ich bin aber sehr dankbar für die vorgebrachten
Bedenken und kümme-re mich um die Angelegenheit, kümmere
Du Dich um die Deine: Du musst Deine betriebs-wirtschaftliche
Effizienz steigern, die Produktion ankurbeln, die Ausgaben durch
Rationalisie-rung senken und ein besserer Geschäftsmann werden.
Natürlich stelle ich mich gegen entsprechendes Honorar immer
gerne als Fachberater in diesen Dingen zur Verfügung.«
Fabian galt landläufig als der Experte und
Einwände waren zwecklos, denn schließlich schien die
Wirtschaft zu boomen und das Land einen enormen Aufschwung zu
verzeichnen.
Die Falle schnappt zu
Um die jeweils fehlenden „fünf Taler”
bezahlen zu können, d.h. die Zinsen bedienen zu kön-nen,
waren die Händler nach relativ kurzer Zeit dazu gezwungen,
ihre Preise zu erhöhen. Durch die höheren Preise jedoch
hatten die Lohn- und Gehaltsempfänger bald das Gefühl,
weniger zu verdienen. Die Arbeitgeber ihrerseits weigerten sich,
höhere Löhne zu bezahlen, indem sie von der tatsächlichen
Gefahr eines drohenden Bankrotts sprachen. Bauern wieder-um konnten
nur unzureichende Preise für ihre Produkte erzielen, die
Hausfrauen hingegen klagten darüber, dass die zum Leben tatsächlich
benötigten Dinge immer teurer wurden.
Die Folge: Teile der Bevölkerung verarmten,
teils so schlimm, dass selbst Freunde und Ver-wandte nicht mehr
im Stande waren, einander auszuhelfen.
Schließlich kam es zu Streiks, einem bis
dahin unbekannten Phänomen. Der ursprüngliche Reichtum
und Wohlstand der Natur schien vergessen, all die fruchtbaren
Böden, uralten Wäl-der, die Mineralien im Boden, die
riesigen Viehherden. Alles drehte sich nur mehr ums Geld, alle
dachten nur noch ans Geld – und dieses wiederum schien irgendwie
immer knapper zu werden. Niemand hinterfragte das System als solches,
glaubten doch alle, es würde von den Volksvertretern verwaltet!
Einige wenige waren in der Lage, ihren Überschuss
zusammenzulegen und freie Verleih- und Finanzinstitute zu gründen,
die ihren Kunden 6 % Guthabenszins anboten, was Fabians 3 % deutlich
übertraf – allerdings konnten diese freien Firmen nur
Geld verleihen, das in der Tat deren Eigentum war, ungleich Fabians
Methode, Geld per Füllfederhalter zu erschaffen. Diese freien
Finanzinstitute irritierten Fabian und seine Kumpane – und
so gründeten sie kurzerhand eigene. Die meiste Konkurrenz
wurde innerhalb kürzester Zeit aufgekauft, bevor sie über-haupt
erblühen konnte, oder anderweitig „unter Kontrolle
gebracht”.
Depression & Wohlfahrt
Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechterte
sich weiter. Arbeiter meinten, ihre Chefs würden zu viel
verdienen, die Arbeitgeber ihrerseits hielten ihre Arbeitskräfte
für faul und ineffizient. Jeder begann, seinen Nächsten
zu beschuldigen. Auch der Bürgerrat wusste keine Antwort
und war vorrangig mit dem akuten Problem beschäftigt, den
Armen zu helfen.
Staatliche Wohlfahrt
Sozialprogramme wurden eingerichtet, und per Gesetz
wurde jeder Einwohner verpflichtet, Beiträge zu leisten.
Dies wiederum erzürnte die Bürgerschaft, die noch die
„altmodische Vor-stellung” vertrat, dass sich Nachbarn
gegenseitig und freiwillig helfen sollten. »Diese Abga-ben
sind nichts weiter als legalisierter Raub« tönte es
aus dem Volk, »Abgaben gegen den Willen des Einzelnen, ungeachtet
ihres jeweiligen Anlasses, kommen Diebstahl gleich.«
Doch jeder fühlte sich alleine hilflos und
fürchtete sich vor der Gefängnisstrafe, die allen an-gedroht
wurde, die nicht bezahlen wollten oder konnten. Die Sozialprogramme
sorgten zwar für kurzfristige Linderung, führten aber
mittelfristig sogar zu einer Verschärfung der Proble-matik,
denn auch diese Programme verschlangen immer mehr Geld –
Geld, das sowieso schon überall fehlte. Und so kletterten
die Sozialabgaben weiter – und mit ihnen auch die Bürokratie
des Verwaltungsapparates.
Staatsverschuldung und Beamtenapparat
Die meisten Mitglieder der Regierung waren integere
Leute mit guten Absichten. Sie wollten die Bürger nicht mit
weiteren Ausgaben belasten, und so sahen Sie schließlich
keine andere Möglichkeit, als sich das fehlende Geld bei
Fabian und seinen Kumpanen auszuleihen, ohne sich aber im geringsten
klar darüber zu sein, wie diese Anleihen jemals zurückgezahlt
werden sollten.
Eltern waren nicht mehr in der Lage, die Lehrer
für ihre eigenen Kinder zu bezahlen, genauso wenig wie den
Hausarzt. Schritt für Schritt war die Regierung gezwungen,
diese Funktionen zu übernehmen und zu verwalten. Lehrer,
Ärzte und viele andere Berufsgruppen wurden zu Beamten. Nur
wenige davon zogen Befriedigung aus ihrer neuen Arbeit, doch sie
erhielten anständige Gehälter, verloren aber ihre Eigenständigkeit
und Identität. Ein jeder wurde zum Rädchen innerhalb
einer riesigen Maschinerie. Es gab keinen Spielraum für persönliche
In-itiative, berufliche Erfolgserlebnisse wurden ignoriert, Einkommen
waren gleichgeschaltet und eine Beförderung stand nur dann
an, wenn ein Vorgesetzter in den Ruhestand ging oder verstarb.
Einkommensteuer
Aus dieser Zwangslage heraus beschlossen die Regierenden
wieder einmal, Fabian zu kon-sultieren, da dieser perfekt vorgaukelte,
in Geldangelegenheiten der richtige Berater zu sein. Er hörte
zu, wie sie ihre Probleme vortrugen und antwortete: »Viele
Menschen können ihre Probleme nicht alleine bewältigen.
Diese Menschen brauchen Euch, damit Ihr es für sie tut. Sicher
stimmt Ihr darin überein, dass die meisten Menschen das Recht
haben sollten, ihre Grundbedürfnisse – Nahrung, Obdach,
Lebensglück usw. – erfüllt zu bekommen. Eine unse-rer
bekanntesten und weisesten Redewendungen besagt doch, dass alle
Menschen gleich sei-en, nicht wahr? Nun, die einzige Möglichkeit,
um Dinge auszugleichen, besteht darin, den überschüssigen
Wohlstand der Reichen abzuschöpfen und ihn den Armen zukommen
zu las-sen. Führt also ein Besteuerungssystem ein. Je mehr
einer hat, umso mehr bezahle er. Nehmet Steuern von jedem nach
seinen Fähigkeiten und gebet jedem nach seinen Bedürfnissen.
Schulen und Krankenhäuser sollten für finanziell Schwächere
kostenlos zugänglich sein.«
Nachdem er ihnen eine solche Predigt über
hohe Ideale gehalten hatte, endete er mit der Be-merkung: »Nebenbei,
denkt daran, dass Ihr mir Geld schuldet! Ihr habt es Euch nun
schon recht lange ausgeliehen. Ich kann Euch entgegenkommen, indem
ich die Tilgung aussetze, Ihr mir aber zumindest den Zins weiterhin
bezahlt.« Dies führte in der Folge dazu, dass immer
mehr Schuldbeträge stehen blieben und nur noch Zinszahlungen
geleistet wurden.
Niemand hinterfragte Fabians Philosophie, und
so wurde eine graduell ansteigende Einkom-menssteuer eingeführt.
Je mehr jemand verdiente, desto mehr musste er berappen. Keiner
mochte die Einkommensteuer, aber dennoch galt: „Steuern
bezahlen oder einsitzen!”
Und abermals waren die Händler dazu gezwungen,
die Preise anzuheben. Und abermals ver-langten die Arbeiter höhere
Löhne, und viele Arbeitgeber ihrerseits waren dazu gezwungen,
Teile ihrer Arbeiterschaft durch Maschinen zu ersetzen –
oder aber Bankrott anzumelden.
Die Arbeitslosigkeit – und mit ihr der Werteverfall
– stiegen, und die Regierung sah sich dazu gezwungen, weitere
Sozialprogramme zu erfinden. Tarifverträge, staatliche Subventionen
und andere Schutzmaßnahmen wurden eingesetzt, da immer größere
Industriezweige vor dem Zu-sammenbruch bewahrt bzw. Arbeitsplätze
erhalten werden mussten. Dennoch übertraf sich die Zahl der
Insolvenzen von Monat zu Monat. So mancher begann sich zu fragen,
ob der Sinn der Produktion darin lag, Waren herzustellen oder
lediglich Arbeitsplätze zu erhalten.
Die Lage verschlechterte sich zunehmend und es
wurden die verschiedensten Maßnahmen erprobt, um die eskalierenden
Preise unter Kontrolle zu halten. Weitere Formen der Besteue-rung
mussten eingeführt werden, und bald gab es annähernd
50 verschiedene Steuern auf ei-nem Laib Brot, angefangen bei der
Grundsteuer des Bauern über alle Belastungen des Han-dels
bis zur Mehrwertsteuer der einkaufenden Hausfrau.
Dauernde Reformen
„Expertengremien” wurden einberufen,
um im Auftrag der Regierung die Lage zu meistern, was in nichts
anderem resultierte, als in immer neuen Umstrukturierungen, Reformen
und in immer neuen Formen der Besteuerung. Da Fabian ungeschmälert
Zins verlangte, musste ein ständig wachsender Teil der Steuern
dafür aufgewendet werden, die Zinsen zu bezahlen. Manchmal
mussten sogar neue Schulden aufgenommen werden, nur um die Zinsen
alter
Kredite damit zu bedienen!
Parteipolitik
Und damit entstand eine völlig neue Form
der Politik, nämlich Parteienpolitik – die Leute stritten
untereinander darüber, welche Partei die Probleme am besten
lösen könnte. Es ging nun plötzlich um unterschiedliche
Persönlichkeiten und Ideologien – um alles Mögliche,
nur nicht um das eigentliche Problem.
Wanted: Totale Kontrolle
Schließlich passierte es, dass der fällige
Zinsbetrag in einer der Städte größer war als
die Summe allen erwirtschafteten Einkommens. Im ganzen Land wuchs
die Menge des nichtbe-zahlten Zinses. Als Antwort darauf wurde
ein Zins auf den unbezahlten Zins erhoben. So ge-schah es, dass
Reichtümer, Bodenschätze und andere, auch öffentliche
Besitztümer nach und nach unter die Kontrolle Fabians und
seiner Kumpane gelangte. Die Kontrolle jedoch war noch nicht vollumfassend.
Doch genau das war, was sie anstrebten. Erst wenn sie alles kon-trollierten,
würden Sie vollkommen sicher sein.
Das Kriegsgeschäft
Überall fehlte das Geld, viele waren arbeitslos
und arm, die Sozialsysteme konnten sich nicht um alle kümmern,
so dass das Volk allmählich aufbegehrte. Fabian überzeugte
die Regie-rungsvertreter, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:
1. Ein Krieg sei das beste Mittel, um die Menschen im Kampf gegen
einen gemeinsamen äußeren Feind wieder zu vereinen
sowie 2. um die Regierungsschulden – aus der Ausbeutung
des zu erobernden Landes – zu-rückzubezahlen. Um die
Kriegsmaschinerie anrollen zu lassen, ließ Fabian Fabriken
bauen, gab ihren Besitzern Geld, um Bomben herzustellen, verlieh
Geld an das Militär – und ge-währte schließlich
den Opfern hochverzinste Kredite für den umfangreichen Wiederaufbau.
Danach gab es weitere großzügige Kredite unter dem
Titel Wirtschaftsförderung. Dieses Sy-stem mit all seinen
Auswirkungen war so erfolgreich, dass viele Länder der Welt
plötzlich nicht nur „Auslandsschulden” (d.h.
bei Fabian) hatten, sondern auch in irgendwelche kriegeri-schen
Auseinandersetzungen verwickelt oder daran beteiligt waren.
Fabian sorgte dafür, dass immer ein „Gleichgewicht
der Mächte” bestand, so dass jedes Land gegen jedes
beliebige andere in den Krieg gepresst werden konnte. Das schien
Fabian z.B. immer dann angebracht, wenn ein Land Fabians „Vorschläge”
ignorierte, seine Schulden nicht zurückzahlte oder ein neues,
von Fabian unabhängiges Geldsystem einführen wollte.
Fabian finanzierte immer auch das angegriffene Land, damit der
Krieg möglichst lange dau-erte (und auch am Wiederaufbau
möglichst viel zu verdienen war) und ließ sich dann
„seine Kredite” durch die Ausplünderung der (Boden-)
Schätze des eroberten Landes
zurückbezahlen.
Massenmedien
Die Bürger, die noch dazu im Stande waren,
selbst zu denken und folglich das System kriti-sierten, konnten
zum Schweigen gebracht werden, indem sie entweder finanziell unter
Druck gesetzt und/oder bestochen wurden oder – wenn das
nichts half – öffentlichem Spott ausge-setzt wurden.
Ihre Ideen wurden als unrealistisch abgetan und der öffentlichen
Lächerlichkeit preisgegeben. Zu diesem Zweck kauften Fabian
und seine Kumpane nach und nach immer mehr Zeitungsverlage sowie
Fernseh- und Radiostationen auf, deren Führungskräfte
nach strengen Kriterien ausgewählt wurden. Viele Journalisten
verfolgten im Grunde eine aufrich-tige Zielsetzung oder wollten
gar die Welt verbessern, doch ihnen wurde zu keiner Zeit ge-wahr,
wie sie selbst ins Spiel mit einbezogen und darin missbraucht
wurden.
Es gab viele verschiedene Zeitungen und Magazine
– solche für den linken Flügel, andere für
den rechten, dritte für die Mitte. Zeitschriften für
die Arbeiter, andere für die Chefs usw. Es spielte dabei
keine Rolle, welcher Zeitung jemand anhing, so lange er nicht
über das eigentli-che Problem nachdachte oder das System
als solches hinterfragte.
Fabians großer Plan stand kurz vor seiner
Vollendung. Das ganze Land – und nicht nur das – war
bei ihm verschuldet. Durch das Ausbildungssystem und die Massenmedien
besaß er die Kontrolle nicht nur über das Denken der
Menschen, sondern buchstäblich auch über ihren Verstand.
Die Menschen dachten und glaubten, wovon Fabian wollte, dass sie
es taten!
Herrscherklasse
Wenn ein einzelner Mann weit, weit mehr besitzt,
als er jemals für seine Privatgelüste ausge-ben könnte,
nachdem er alle materiellen Anreize ausgekostet hat, was bleibt
da noch, das ihn faszinieren könnte?
„Macht” lautet die Antwort, ungezügelte
Macht über andere. Die Idealisten hatte Fabian er-folgreich
in den Medien und der Politik platziert, doch die wahren Herrschafts-
und Kontroll-freaks, die Fabian suchte, fand er in jenen, die
„von Natur aus” über ein elitäres Herrscher-klassebewusstsein
verfügten: Es waren die reichsten der ehemaligen Goldschmiede,
denen ein solch arrogantes Bewusstsein innewohnte. Ihr maßloser
Wohlstand befriedigte sie nicht län-ger. Sie waren auf der
Suche nach dem „Kick” einer neuen Herausforderung:
Uneinge-schränkte Macht über die Massen war das ultimative
Spiel! Solchen Herrschaftsanspruch maßte sich die selbsterleuchtete
Klasse nun als Recht einer „höheren Geburt” an.
Zentralbanksystem
Landesübergreifend waren zahlreiche Großbanken
zu finden und obgleich diese scheinbar miteinander konkurrierten,
arbeiteten sie in Wirklichkeit eng zusammen. Mit offizieller Ab-segnung
war eine Zentralbank eingerichtet worden, und ihre Einlagen waren
Anleihen, die durch reelles Geld gedeckt wurden, das sich in den
einzelnen Banken und Sparkassen befand. Dem Anschein nach handelte
es sich um eine Regierungsinstitution, wobei in Wahrheit kein
einziger Volksvertreter jemals Zugang zu den Kontrollgremien hatte.
Mehr noch, diese Art Nationalbank stand außerhalb der Staatsverfassung
und somit oberhalb des Präsidenten, wo-durch sie tun und
lassen konnte, was sie wollte. Wie leicht hätte jeder Bürger
dies feststellen können, war dieser Verrat doch sogar aus
den offiziell zugänglichen Unterlagen erkennbar.
Die Regierung ihrerseits musste nun nicht mehr
Geld direkt von Fabian aufnehmen, sondern konnte sich an die Zentralbank
wenden, wobei als Sicherheit für die Kredite die zukünftigen
Steuereinnahmen galten. Dies war in Einklang mit Fabians Plan,
der darauf ausgerichtet war, den Verdacht von seiner Person und
den wahren Ursachen abzulenken und ihn statt dessen auf die Regierung
hinzulenken, während er im Hintergrund selbstverständlich
sämtliche Fä-den in der Hand behielt.
Fabians indirekte Kontrolle der Regierungsgeschäfte
war derart perfekt, dass ihn dies einmal dazu verführte,
öffentlich zu prahlen: „Wenn ich das Geld einer Nation
kontrolliere, interes-siert es mich nicht, wer die Gesetze macht!”
Und daher lautete seine Devise auch: „Solange ich als Berater
in Finanzangelegenheiten herangezogen werde, halte ich mich aus
der Gesetz-gebung des Landes heraus.” Es war somit einerlei,
welche Partei regierte, da Fabian den Le-bensfluss, das Lebensblut
des Volkes, das Geld, unter seiner vollständigen Kontrolle
hatte.
Immer wieder gab es Leute, die fragten: „Geld
ist ein von Menschen geschaffenes System, es kann doch sicherlich
derart angeglichen werden, dass nicht der Mensch dem Gelde dient,
son-dern das Geld dem Menschen!?” Doch Leute dieses Schlages
wurden immer seltener und seltener und ihre Stimmen gingen in
dem wahnsinnigen Gewühl nach dem nicht existierenden Zins
– den weiter und weiter fehlenden „fünf Talern”
– unter.
Die Regierungen und mit ihnen die Parteifarben
kamen und gingen – schwarz, rot, gelb, grün –
doch die grundlegenden Prinzipien blieben dieselben. Egal, welche
Regierung „an der Macht war”, sie rückte Fabians
ultimatives Ziel in immer greifbarere Nähe. Die Gesetze der
Menschen waren ohne Belang, solange die Menschen bis zum Anschlag
besteuert wurden. Ihre Zahlungsfähigkeit war am Ende. Jetzt
war die Zeit reif für Fabians letzten, großen Schachzug!
EC- & Kreditkarten
10 % allen Geldes waren nach wie vor in Form von
Münzen und Scheinen im Umlauf, was den einzelnen Individuen
immer noch eine gewisse Freiheit und Kontrolle über ihr eigenes
Leben einräumte. Dies galt es abzuschaffen, ohne Verdacht
zu erwecken. Um also Geldfäl-schung, Diebstahl und Verlust
entgegenzuwirken schlug Fabian vor, eine kleine Plastikkarte für
jeden auszustellen – mit Name und Photo des Betreffenden
sowie einer Identifikations-nummer.
Mit dieser Karte konnte der Normalbürger
bequem Einkäufe erledigen, ohne allerdings zu ahnen, dass
so nicht nur sein Guthabens- bzw. Schuldenstand über einen
Zentralcomputer abgerufen werden, sondern auch ein Profil über
ihn erstellt werden konnte: über die Art seiner Einkäufe,
darüber, wann er sich wo aufhielt, welche Bücher er
las und überhaupt, welche Vorlieben er hatte. Für den
Kunden wurde die Kreditkarte zusätzlich attraktiv gemacht,
indem bei der Rückzahlung am Monatsende keinerlei Zins für
ihn anfiel. Die Geschäftsleute hinge-gen hatten wesentlich
höhere Ausgaben, die wiederum auf den Preis der Endprodukte
aufge-schlagen und somit an den Kunden weitergegeben werden mussten.
Fabian und seine Kumpane erfreuten sich eines
immer hervorragenderen Rufes und höchsten gesellschaftlichen
Ranges, ja, sie wurden regelrecht als Säulen der Verantwortung
und Ehren-haftigkeit angesehen. Politiker und Wirtschaftsexperten
akzeptierten ihre Meinung in Finanz- und Wirtschaftsfragen, als
seien es religiöse Glaubenssätze.
Unter der Last immer neuer Steuern, Abgaben, Gesetze
und Bestimmungen verschwanden „kleine, nutzlose Unternehmen”
bald reihenweise durch Bankrott. Spezielle Lizenzen und Gewerbescheine
wurden sodann verlangt, die es den verbleibenden Firmen abermals
schwerer machten, weiter zu existieren. Fabians Kumpane kontrollierten
längst alle Großunternehmen und somit deren Zulieferer,
denn ihrem umsatzorientierten Druck hatte sich schlussendlich
selbst der letzte unabhängige Kleinunternehmer, Schlosser,
Elektriker und Bäcker zu fügen.
Fabian plädierte sodann für eine komplette
Abschaffung von Münzen und Papiergeld, um völlig den
Weg für seine Plastikkarte zu ebnen. Ohne Banknoten wären
schließlich nur noch diejenigen Firmen geschäftsfähig,
die Kartenzahlung akzeptieren. Fabian alleine könnte so-dann
kontrollieren, wer im Geschäft bliebe und wer nicht.
Im Falle des Verlustes der Kreditkarte,
so Fabians weiterer Plan, sollte jedem Bürger seine Identifikationsnummer
in die Hand tätowiert werden, die unter einem speziellen
Licht gelesen und an einen Computer weitergeleitet werden konnte.
Dieser wiederum wäre an einen Zen-tralcomputer gekoppelt,
in dem ausnahmslos alle Daten jedes Individuums gespeichert und
über Ortungssatelliten angepeilt werden konnten. So wüsste
Fabian alles über jeden.
Sobald dies erreicht wäre, besäße
er die ultimative, totale Kontrolle über alle Menschen des
Landes – und bald darauf über alle Menschen der Erde.
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Ein paar „Fabians” im realen Leben:
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www.gls-bank.de
www.ethikbank.de
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Depeschen zum Thema
Doppeldepesche 26+27/2004: Wie funktionieren Regionalwährungen:
http://www.kent-depesche.com/jahrgang2004/2004_27.html
Zinssystem und Weltwirtschaftskrise
http://www.kent-depesche.com/jahrgang2002/2002_27.html
Themenhefter GELD (Artikelsammlung)
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